NewsFinanzmarkt
Werbung

Allianz warnt vor neuer Bedrohung – Aktie schwächelt

| Quelle: finanztreff

Die Allianz warnt vor einer steigenden Zahl von Online-Erpressungsangriffen auf die stockenden globalen Lieferketten. Unternehmen, die für Wirtschaft und Gesellschaft essenzielle Güter ausliefern, sind nach Einschätzung des zur Allianz gehörenden Industrieversicherers AGCS besonders gefährdet, wie dieser am Dienstag mitteilte.

Ein weiteres Angriffsziel seien IT-Dienstleister, deren Systeme mit einer Vielzahl von Rechnern in Kundenunternehmen vernetzt sind. Auf diesem Weg könnten Cyberkriminelle Erpressungssoftware schnell auf vielen Rechnern unterschiedlicher Unternehmen installieren, schreiben die AGCS-Fachleute in ihrem am Mittwoch veröffentlichten "Cyber Report". Attacken auf Lieferketten seien der "nächste große Trend", sagte AGCS-Manager Jens Krickhahn.

Wichtiges Regierungstreffen 

Aufgeschreckt sind auch die Regierungen. In Washington sollte am Mittwoch ein zweitägiges virtuelles Treffen beginnen, an dem Vertreter von über 30 Staaten über Strategien gegen die stetig zunehmende Cyberkriminalität beraten wollten. 

Bei dem Treffen in Washington geht es vor allem um die Verbesserung der Abwehrfähigkeiten. "Es ist wichtig, dass die internationale Gemeinschaft zusammenarbeitet, um sicherzustellen, dass kritische Infrastrukturen gegen böswillige Cyber-Aktivitäten widerstandsfähig sind (...) und dass wir unsere kollektive Cyber-Verteidigung verstärken", sagten US-Regierungsbeamte. Bei dem Treffen fehlt Russland. US-Politiker haben der russischen Regierung in den vergangenen Jahren immer wieder vorgeworfen, mit Cyberkriminellen zu kooperieren beziehungsweise selbst hinter Hackergruppen zu stehen. Russland weist das zurück.

Zahl der Angriffe deutlich gestiegen 

Denn derartige Ransomware-Angriffe hat es in den vergangenen Monaten bereits mehrfach gegeben. Im Mai hatten Hacker die Systeme des US-Benzinlieferanten Colonial Pipeline lahm gelegt; Folge war eine zeitweise Einschränkung der Benzinversorgung an der Ostküste. Diese Attacke hatte in den USA ein großes politisches Echo ausgelöst.

Die AGCS-Fachleute erwarten weiter steigende Fallzahlen. Ransomware bedeutet, dass Hacker die Rechner angegriffener Unternehmen verschlüsseln und hohe Summen für die Freigabe der Systeme verlangen. Eine übliche Methode ist der Versand von Mails mit Verschlüsselungssoftware in einer angehängten Datei an Behörden und Unternehmen.

Steigende Lösegeldforderungen

 Sowohl die Schäden als auch die geforderten Summen werden immer höher. Vor fünf Jahren seien bei Online-Erpressungsfällen noch "5.000, 6.000, 7.000 Euro" gefordert worden, berichtete Krickhahn. 2020 gab es bereits Forderungen von 30 Millionen Dollar. "Heutzutage sehen wir schon Forderungen in einer Höhe von 50 Millionen Dollar."

Befördert wird der kriminelle Boom laut AGCS durch die Tatsache, dass Hackergruppen mittlerweile als Dienstleister auftreten. "Sie können als durchschnittlich IT-befähigter Mensch tatsächlich hergehen und Ransomware-Angriffe mieten", sagte Krickhahn. "Sie kriegen zum Teil eine Hotline-Funktion dazu geliefert."

Nicht nur die erpressten Summen würden höher, auch der Aufwand zur Wiederherstellung blockierter Systeme werde teurer und langwieriger, heißt es in dem Cyber Report. Die AGCS beruft sich auf Analysen, denen zufolge sich die Kosten für Wiederherstellung und Ausfallzeit eines blockierten Systems seit 2020 von durchschnittlich 761 000 auf 1,85 Millionen US-Dollar mehr als verdoppelt haben.

Das macht die Allianz-Aktie 

Zur Wochenmitte notierte die Allianz-Aktie zuletzt rund 1,8 Prozent schwächer bei 194,64 Euro. Damit fielen die Papiere erneut unter die 50-Tage-Linie bei 196,48 Euro zurück und lieferten ein Verkaufssignal. Aus charttechnischer Sicht könnte die Aktie nun das August-Tief bei 189,00 Euro ins Visier nehmen. 

Sechs-Monats-Chart Allianz (in Euro)
Mit Material von dpa-AFX.
Im Artikel erwähnt
Werbung