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Commerzbank-Übernahme: ING beauftragt Berater

| Quelle: finanztreff

Die Aktien der Commerzbank sind nach dem gestrigen Kurssprung am Mittwoch unter Druck geraten. Händler sprachen von Gewinnmitnahmen, nachdem es wegen neu aufgeflammter Übernahmespekulationen zuletzt kräftig aufwärts ging. Gerüchte über ein verfestigtes Interesse der italienischen Unicredit und auch der niederländischen Großbank ING konnten indes nicht bestätigt werden. Noch nicht.

Mit einem Anstieg um zeitweilig über sechs Prozent auf knapp 8 Euro mauserten sich die CoBank-Aktien <DE000CBK1001> am Dienstag zu einem Spitzenwert unter den mittelgroßen Werten im MDax <DE0008467416>. Heute fällt die Aktie auf 7,50 Euro zurück, bleibt aber charttechnisch interessant. Die 200-Tage-Linie, die unter Anlegern ein viel beachteter Indikator für den längerfristigen Trend ist, spielt derzeit eine große Rolle (siehe Chart unten).

Am Dienstag-Abend wurde bekannt, dass neben der Unicredit auch die niederländische ING <NL0011821202> Berater mit der Prüfung eines möglichen Kaufangebots beauftragt haben. Das berichtete jedenfalls die Nachrichtenagentur Bloomberg. Die Italiener haben eine Mandatierung von Banken für die Übernahme der Commerzbank allerdings dementiert. Man sei voll fokussiert auf den Transformationsplan 2019, hieß es.

In Mailand hatten Unicredit-Titel  <IT0004781412> am Dienstag-Nachmittag negativ auf den möglichen Kauf in Deutschland reagiert, der Kurs war um mehr als zwei Prozent abgesackt. Heute ging es wiederum kräftig aufwärts.

Gerüchte über das Interesse von Unicredit waren schon Anfang April in einem Bericht der Financial Times geschürt worden. Damals war als Bedingung genannt worden, dass die Gespräche mit der Deutschen Bank über eine Fusion scheitern, was mittlerweile eingetreten ist. In den vergangenen Jahren wurde Unicredit, die in Deutschland bereits mit der HypoVereinsbank vertreten ist, schon wiederholt als möglicher Käufer der Commerzbank genannt.

Nach Ansicht von Analyst Nicholas Herman wäre eine Übernahme dann sinnvoll, wenn der Käufer eine Konzernstruktur aufbaut, mit der sie Zugriff auf die Vermögenseinlagen der Commerzbank bekäme. Dann könne sie ihre Finanzierungsbedingungen verbessern. Politisch wäre ein solcher Schritt jedoch umstritten.

Analystin Anke Reingen von RBC hatte eine Verbindung von Commerzbank und Unicredit jüngst als positiver "Plan B" als Ersatz für die Fusion mit der Deutschen Bank angesehen. Sie betonte aber, dass die deutsch-italienische Kombination zwar weniger Kostenvorteile mit sich bringen würde, aber auch weniger Komplikationen. DZ-Bank-Experte Christian Koch jedoch schrieb in einem Kommentar, die Chancen und Risiken seien ähnlich wie im Fall einer Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank.

Zu den Vorteilen einer Akquisition durch Unicredit zählte der DZ-Experte Koch jüngst ein geringeres Ausmaß an wegfallenden Erträgen, da sich die Kundengruppen weniger stark überlappten. Allerdings gebe es deutlich höhere Hürden in Bezug auf den Transfer von Kundeneinlagen und Kapital nach Italien. Zudem fürchtete er in seiner im April verfassten Studie den Widerstand der deutschen Politik bei einem Verkauf ins Ausland. Damals bezeichnete er einen Kauf durch Unicredit als unwahrscheinlich.

Mit Material von dpa-AFX

Sechs-Monats-Chart Commerzbank (in Euro)
Im Artikel erwähnt
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