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Devisen: Zur Eignung von Carry als FX-Strategie

| Quelle: Societe Generale

Zur Eignung von Carry als FX-Strategie

Jüngst wurde ich gefragt, welchen Einfluss Carry gegenwärtig auf die Wechselkurse hat. Ich fand die Frage seltsam. Weil wir weiterhin im Großteil der G10-Währungen Zinsniveaus beobachten, die als effektive Zinsuntergrenzen betrachtet werden müssen. Und auch nach den ersten vorsichtigen Zinserhöhungen von Norges Bank und RBNZ sind die Carries von NOK und NZD immer noch im mikroskopischen Bereich. Ein Viertel Prozentpunkt mehr Zins per annum rechtfertigt sicherlich keine Währungsposition mit 7%, 8% oder 9% 1-Jahres Volatilität.

Dennoch ist diese Idee der angeblichen systematischen Profitabilität von Carry-Trades (also einer Outperformance von Hochzins-Währungen gegenüber Niedrigzins-Währungen) nicht totzukriegen. Zumal in den letzten Monaten (freilich nicht in den letzten Tagen) selbst im Carry-mäßig so gleichförmigen G10-Universum die typische Carry-Strategie (long die drei G10-Währungen mit höchstem, short die drei mit dem niedrigsten Carry) ziemlich spektakulär performt hat.

Für Anleger ist das gefährlich. Weil es in die Irre führt. Dass Währungen mit höherem Zins gegenüber Währungen mit niedrigem Zins outperformt haben, ist halt kein Beleg dafür, dass diese Währungen wegen ihres hohen Carry outperformt haben. Ohne eine Vorstellung über Wirkungsmechanismen kann man – da fragen Sie mal den aktuellen Ökonomie-Nobelpreisträger Joshua Angrist – aus Korrelationen nichts über Kausalität schließen.

Wer also auf die Idee kommt, sich nun ein Modell dafür zu basteln, wann Carry “funktioniert” und wann nicht, der läuft Gefahr, einer Chimäre hinterherzujagen. Ich will niemand den Versuch abspenstig machen. Weil’s vielleicht in Phasen wie von Anfang September bis Ende Oktober nicht am Carry lag, dass CAD, NOK und NZD (die Long-Positionen in dieser Phase) besser performt haben als EUR, CHF und JPY (die Short-Positionen).

Hier ist meine alternative Erklärung: Viel mehr als auf gegenwärtige Zinsvorteile kommt es darauf an, welche Zinsvorteile der Markt für die Zukunft erwartet. Warum?

Wenn’s zum Beispiel gegenwärtig auf USD-Positionen kaum mehr als 0% Zins gibt, aber alle Welt erwartet, dass die Fed im kommenden Jahr den Liftoff vollzieht und es schon Ende 2023 wieder 1¼% bis 1½% Carry auf USD-Positionen gibt, dann müssten die Carry-Apologeten glauben, dass (a) jedermann eine USD-Aufwertung in 2022 und 2023 erwartet, dass aber (b) niemand das zum Anlass nimmt, sich jetzt schonmal mit USD einzudecken. Carry-Apologeten nehmen also implizit an, dass die Devisenhändler äußerst dumm sind.

Ich halte die Annahme, viel schlauer zu sein als andere, generell und insbesondere an den Finanzmärkten für eine äußerst gefährliche Ausgangsbasis. Daher halte ich es für viel überzeugender, dass die Aussicht auf hohen Carry die Aufwertung einer Währung hervorruft und nicht gegenwärtig hoher Carry.

Das heißt aber auch: Systematisch am Devisenmarkt Geld zu verdienen ist unendlich schwerer, als sich das die Carry-Apologeten vorstellen. Um systematische Performance zu generieren, muss man nicht den gegenwärtigen Carry messen (was jeder Schülerpraktikant kann, dem man erklärt hat, wie man Daten auf Bloomberg findet). Vielmehr muss man voraussagen, wie sich die Carry-Erwartungen der Marktteilnehmer ändern.

Zugegeben: Das können fundamental argumentierende Analysten wie ich auch sehr schlecht. Wir behelfen uns eines anderen Konstrukts. Wir schauen, was unsere Kollegen Fed-Watcher als Zeitpunkt des Fed-Liftoffs prognostizieren. Und daraus leiten wir ab, dass der Devisenmarkt von jetz bis dahin seine Erwartungen darauf anpassen muss. Wann genau die Markterwartungen kippen, wissen wir nicht. Daher sind wir bei kürzerfristigen Prognosen oft nicht besonders gut, haben unsere Stärke eher im Bereich der mittelfristigen Prognosen. Und daher ändern sich unsere Meinungen plötzlich, wenn sich die Prognosen unserer Kollegen zu Fed & Co. ändern.

Bliebe nur noch, zu erklären, warum im September und Oktober Carry so gut lief und jetzt nicht mehr. Weil das ist die Erklärung in meiner Vorstellung im September und Oktober besonders für diese drei Währungen die Zinserwartungen deutlich angestiegen waren. Siehe z.B. die Bank-of-Canada-Erwartungen in Abbildung 3. Zufall? Nein, das wiederum kann einfach damit erklärt werden, dass diejenigen Zentralbanken, die aufgrund höherer Ausgangsinflation (Ende 2019 / Anfang 2020) nie zu Negativzinsen gezwungen waren, jetzt deshalb besonders früh reagierten, weil bei ihnen die Inflation schneller anzieht als anderswo. Und momentan läuft’s für diese Währungen halt nicht mehr so gut, weil angesichts wackeliger realwirtschaftlicher Aussichten die Zinserhöhungsphantasien einen Dämpfer bekommen.

Das beschreiben Carry-Apologeten mit “risk off” und können damit die Wechselkursverläufe ebensogut “erklären” wie ich in meiner Vorstellungswelt. Nur sollte man bedenken: Mit dem ptolemäischen Weltbild (mit der Erde im Mittelpunkt des Sonnensystems) lassen sich die Planetenbahnen ebensogut erklären, wie mit dem kopernikanischen Weltbild (mit der Sonne im Mittelpunkt). Nur sollte man nicht versuchen, mit dem ptolemäischen Modell eine Sonde zum Mars zu schicken. Genau deshalb habe ich meine Zweifel an der Eignung der Carry-Trade-Theorie für’s Devisenmanagement.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
SF839S Call EUR/USD Hebel: 20,0
SD7MNX Put EUR/USD Hebel: 21,0
SD7NPV Call EUR/CAD Hebel: 6,1
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SF8J02 Call EUR/CHF Hebel: 5,5
SD92C4 Put EUR/CHF Hebel: 4,2
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Sie sind im Begriff, ein komplexes Produkt zu erwerben, das nicht einfach ist und schwer zu verstehen sein kann. Bitte beachten Sie, dass bestimmte Produkte nur für kurzfristige Anlagezeiträume geeignet sind. Wir empfehlen Interessenten und potenziellen Anlegern den Basisprospekt und die Endgültigen Bedingungen zu lesen, bevor sie eine Anlageentscheidung treffen, um sich möglichst umfassend über die potenziellen Risiken und Chancen des Wertpapiers zu informieren, insbesondere um die potenziellen Risiken und Chancen der Entscheidung, in die Wertpapiere zu investieren, vollends zu verstehen. Die Billigung des Basisprospekts durch die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht ist nicht als ihre Befürwortung der angebotenen Wertpapiere zu verstehen.

China: Aktivitätsdaten überraschend positiv

Chinas Zahlen zur Wirtschaftsaktivität im Oktober überraschten weitgehend positiv, wobei die Einzelhandelsumsätze um 4,9% zum Vorjahr wuchsen (Konsens: 3,7%). Auch die Industrieproduktion übertraf die Markterwartungen etwas. Dass die Gesamtdaten über den Erwartungen liegen, könnte darauf zurückzuführen sein, dass die Stimmung aufgrund der Immobilienflaute (sowohl bei den Umsätzen als auch an den Kapitalmärkten) ein wenig zu pessimistisch ist.

Derweil sollte der Markt nie unterschätzen, wie stark Peking seine Wirtschaft kontrollieren kann. So stieg die Kohleproduktion aufgrund von Regierungsinterventionen beispielsweise um 4,0% zum Vorjahr, nachdem sie im Vormonat um 0,9% nachgegeben hatte. Im Allgemeinen setzt sich die wirtschaftliche Schwäche fort. Sie weicht nicht allzu sehr vom Abwärtstrend seit Jahresbeginn ab, doch es könnte zu unerwarteter Volatilität bei den häufig veröffentlichten Konjunkturdaten kommen. Am Devisenmarkt bleibt USD-CNY stabil und hält von 6,40 vorerst einen respektablen Abstand.

Produktidee: BEST Turbo-Optionsscheine

WKN Typ Basiswert Merkmale
CU97XB Call USD/CNH Hebel: 48,5
CJ4U8T Put USD/CNH Hebel: 10,2
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Space Economy: Wettlauf ins All

China landet auf dem Mond, die USA liebäugeln mit dem Mars und sogar Touristen kreisen mittlerweile schwerelos um unseren Planeten. Die Raumfahrt boomt wie nie zuvor und die Space Economy ist auf dem Weg zu einer Billionen-Industrie. Noch handelt es sich zwar um einen relativ jungen Markt, doch ist dieser außergewöhnlich innovations- und wachstumsstark. Erfahren Sie, welche Unternehmen besonders vom Raumfahrt-Boom profitieren und wie Anleger partizipieren können. Jetzt lesen!

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