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Die Ikonen

| Quelle: Hans A. Bernecker

Ikonen sind keine Leader, aber Sinnbilder für alles, was rundherum um sie geschieht, und damit ein weiterer Maßstab dafür, was man von diesem Umfeld halten kann. Siemens geht am Montag in die bekannte neue Zukunft als kleiner Industriekonzern mit ca. 50 Mrd. Euro Umsatz, was schon thematisiert worden ist. Neu: Die Chinesen werden voraussichtlich am Samstag auf ihrer Autoschau verkünden, dass demnächst zwei chinesische Adressen, ein Privatkonzern (GEELY) und eine staatliche Autofirma, zusammen knapp 20 % an Daimler halten. Zusammen mit anderen Chinaadressen werden zurzeit alle chinesischen Positionen auf etwa 30 % geschätzt. Einen genauen Beleg gibt es dafür nicht. Die Chinesen sind bis jetzt im Aufsichtsrat nicht offiziell vertreten. Diese Forderung steht noch vor Jahresende an. Die deutsche Politik und auch die Öffentlichkeit nebst den Gremien nehmen dies nicht zur Kenntnis. Ab wann?

Eine Produktionsverlagerung von Stuttgart nach Wuhan oder eine andere chinesischen Stadt steht offiziell nicht zur Diskussion. Es ist politisch unerwünscht, aber praktisch auf gutem Wege. Unschwer vorauszusagen ist: Die Ikone der deutschen Industrie, Daimler, gerät unter China-Kontrolle mit allen üblichen Begleiterscheinungen. Ob wesentliche Jobverluste in Stuttgart zu befürchten sind, mag man bezweifeln. Es geht darum, das Gesicht zu wahren, was wiederum für die Chinesen wichtiger ist als für die Deutschen. Ebenfalls unschwer vorauszusagen ist, dass ab eines gewissen Punktes ein Aufschrei durch Deutschland gehen wird, wenn die Tatsache auf dem Tisch liegt, dass die Daimler AG zwar eine deutsche Firma ist, aber den Zielen der Chinesen gehorcht. Die zurzeit amtierenden Vorstände und AR-Mitglieder in Stuttgart sind fast eine Garantie dafür, dass nichts geschieht.

VW ist ein deutsches Unternehmen mit 20 % Staatsbeteiligung und 50 % Anteil einer Familie an den Stämmen. Damit in relativ gesicherten Händen. BMW steckt in der gleichen Situation mit einer knappen Mehrheit in Familienhand von zwei Personen. In beiden Fällen ist ein solches Risiko gering. Aber:

Covestro wurde vor 8 Tagen als Übernahmekandidat eines Investors genannt. In diesem Falle einer amerikanischen Adresse mit internationalem Kapital. Anlass ist, dass Covestro als DAX-Mitglied zu einseitig aufgestellt sei, um langfristig zu überleben und deshalb eine erweiterte Strategie benötigt, um auf seinen Geschäftsfeldern (Polymere) erfolgreich operieren zu können. Auch dieser Anstoß kommt von außen. Zwei weitere DAX-Mitglieder werden in ähnlicher Form begutachtet, was man aus ihnen machen kann: BASF und die Fresenius-Familie (Fresenius und Fresenius Medical). Es gibt brauchbare Vorlagen für eine sinnvolle Neugliederung weil Konglomerate offenbar nicht mehr effizient geführt werden können. Jumbos sind nun mal langsamer als Rennpferde. In beiden Fällen stehen internationale Investoren dahinter, woran sich einige deutsche Familien beteiligen werden, wenn es zu entsprechenden Geboten kommt. In der Regel mit anderen zusammen als Mitglieder eines Fonds, der von der Investorenadresse gemanagt wird. Soweit der aktuelle Stand.

Der DAX benötigt eine gründliche Renovierung. Gut 30 % aller DAX-Konzerne benötigen eine neue Strategie, eine neue Perspektive und damit würden sie eine neue Beurteilung finden, die weiterführt. Ohnedem wird es nicht gehen. Aktuelle Hoffnung: Die GroKo-Regierung geht in die letzten 12 Monate ihres Bestehens. Erst danach wird sich zeigen, was möglich ist. Bis dahin aber wird es schwierig sein, von A bis V (Adidas bis Vonovia) wirklich neue Ansätze für eine Bewertung zu finden.

Ihr

Hans A. Bernecker

Im Artikel erwähnt
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