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Immer mehr Deutsche sind überschuldet: Ein Blick hinter die Kulissen

| Quelle: FIN

Einerseits hat Deutschland den Ruf, Sparweltmeister zu sein. Andererseits steigt die Zahl der überschuldeten Haushalte stetig an. Die Entwicklung scheint klar: Die Schere zwischen arm und reich klafft in der Bundesrepublik immer weiter auseinander. Trotz, dass wir uns also eigentlich in wirtschaftlich stabiler Lage befinden, sind mittlerweile laut "SchuldnerAtlas Deutschland 2018" der Wirtschaftsauskunft Creditreform knapp sieben Millionen Bundesbürger überschuldet.

Das bedeutet einen erneuten Anstieg gegenüber dem Vorjahr und somit zum fünften Mal in Folge seit 2014. Demnach beläuft sich die Überschuldungsquote in Deutschland auf 10,04 Prozent. Zwar lässt sich eine positive Entwicklung bei der Höhe der Überschuldung feststellen, wonach erstmals seit 2006 der Anstieg nur auf Fällen mit geringer Überschuldungsintensität beruht.

Dennoch geht die Tendenz nach wie vor in die falsche Richtung. Angeblich gibt jeder Zehnte mehr Geld pro Monat aus als er einnimmt. Die Zahlen der überschuldeten Privatpersonen könnten somit auch in den kommenden Jahren weiter steigen.

Die häufigsten Gründe für eine Überschuldung

Interessant ist in diesem Zuge ein Blick auf die Hintergründe, weshalb immer mehr Menschen in der Schuldenfalle landen. Auch hierauf gibt die Creditreform Antwort: Anscheinend spielen Schicksalsschläge eine tragende Rolle, wenn es um die Aufnahme oder die Unfähigkeit zur Tilgung von Krediten geht. 20 Prozent der Betroffenen sind aufgrund einer Arbeitslosigkeit in der Überschuldung gelandet. Knapp 16 Prozent aufgrund von einer Erkrankung, einer Sucht oder einem Unfall. Für etwa 13 Prozent wurde der Tod oder die Scheidung vom Ehepartner zum Verhängnis und 8,3 Prozent geben einer gescheiterten Selbstständigkeit die Schuld. Demgegenüber geben 12,7 Prozent der Überschuldeten offen zu, ihre Problematik resultiere aus einer unwirtschaftlichen Haushaltsführung und fast 30 Prozent geben sonstige Gründe an. Sonstige Gründe reichen als Erklärung aber nicht aus, um die Problematik der Überschuldung in den Griff zu kriegen. Was also steckt wirklich dahinter?

Mehr Männer als Frauen sitzen in der Schuldenfalle

Viele Menschen vermuten, dass vor allem alleinerziehende Frauen von der Überschuldung betroffen seien. Dies ist allerdings nicht der Fall. Stattdessen sind es vor allem Männer, die sich mit einer dauerhaften Überschuldung konfrontiert sehen. Betroffen sind etwa 12,55 Prozent der Männer über 18 Jahren. Bei den Frauen sind es hingegen nur 7,65 Prozent. Interessant ist jedoch, dass die Überschuldung bei den Frauen seit dem Jahr 2017 leicht zugenommen, bei den Männern derweil geringfügig abgenommen hat. Neben der Verantwortung für Kinder steckt dahinter vor allem die Problematik der Altersüberschuldung, welche vor allem Frauen betrifft, die aufgrund ihrer Auszeit vom Job zum Zweck der Kindererziehung weniger in die Rentenkassen einbezahlt haben. Hier kommt zudem die Gender-Pay-Gap zum Tragen, welche sich zwar langsam schließt, nach wie vor aber ein Problem darstellt. Demnach haben die Fälle der überschuldeten Menschen über 70 Jahren allein im vergangenen Jahr um 35 Prozent zugenommen. Während der Anstieg bei Frauen also vor allem durch die Altersarmut sowie die Verantwortung als alleinerziehendes Elternteil für eines oder mehrere Kinder erklärt werden kann, bleibt die Frage nach der hohen Anzahl an überschuldeten Männern offen.

Das Problem namens "Konsumgesellschaft"

Eine nähere Analyse kommt auch hier zu dem Ergebnis, dass eine Arbeitslosigkeit, Krankheit oder Trennung von der Lebenspartnerin in vielen Fällen die Überschuldung verursacht hat. In letzterem Fall werden vielen Männern die Unterhaltsverpflichtungen zum Verhängnis. Interessant ist jedoch auch, dass ein zu geringes Einkommen oder ein unangemessenes Konsumverhalten in 18 Prozent der Fälle die Überschuldung verursacht hat. Hiermit kommt eine Problematik auf den Tisch, welche Deutschland bereits seit mehreren Jahren beschäftigt:

Wir entwickeln uns mehr und mehr zu einer Konsumgesellschaft. Begründet liegt das in den grundlegenden Haltungen unserer Gesellschaft, in welcher materiellen Gütern ein hoher Wert beigemessen wird. Die ständige Werbung durch die Medien verstärkt den Wunsch nach Luxusgütern, welche sich die Betroffenen eigentlich nicht leisten können. Diese Wirkung hat durch die Digitalisierung noch zugenommen, denn mittels Smartphone, Tablet & Co sind die Menschen mittlerweile 24/7 erreichbar, auch für Werbebotschaften. Zudem ist es durch Girokonten und Kreditkarten spielend leicht geworden, einen Konsumkredit aufzunehmen. Ebenso über teilweise zwielichtige Kreditangebote aus dem Internet, die beispielsweise Fremdkapital ohne Schufa offerieren. Schnell wird unreifes Konsumverhalten somit zum Verhängnis und schon Jugendliche ver- oder überschulden sich immer häufiger für Smartphones, Elektronik, Autos und andere Konsumgüter.

Niedrigzinsphase verlockt zu hohen Krediten

Eine weitere Ursache der steigenden Überschuldung liegt in der aktuellen Niedrigzinsphase. Zwar sind Kredite gerade jetzt so günstig wie nie zuvor, doch genau deshalb sehr verlockend, auch für jene, welche sie sich trotz niedriger Zinsen eigentlich nicht leisten können. Plötzlich träumt jeder vom Eigenheim und investiert in eine Immobilie, was zumeist eine Verschuldung im sechsstelligen Bereich bedeutet. Das Problem an der Sache sind die langen Laufzeiten, welche Haushalte mit mittlerem bis geringem Einkommen für deren Tilgung in Kauf nehmen muss: Denn nach spätestens 15 bis 20 Jahren läuft in der Regel die Zinsbindung aus, häufig schon früher. Sollten die Zinssätze bis dahin gestiegen sein, werden viele Kreditnehmer ihre Raten nicht mehr bezahlen können. Sich blind auf die Möglichkeit einer Umschuldung zu verlassen, ist dabei nicht ratsam. Denn diese bringt neben Vorteilen auch Nachteile mit sich. Zudem wird der Leitzins voraussichtlich in absehbarer Zeit wieder erhöht und somit verspricht selbst eine Umschuldung kaum noch eine Belastung hinsichtlich der zu zahlenden Zinsen. Es ist also vor allem der Wunsch nach Wohlstand und finanzieller Sicherheit, welcher jetzt und vor allem in Zukunft viele Haushalte in die Schuldenfalle treiben wird.

Steigende Inflation ist Fluch und Segen zugleich

Eine Entspannung der Lage sei jedenfalls nicht zu erwarten, lautet das Fazit der Creditreform. Als Gründe für diese Annahme wurden die sich eintrübenden konjunkturellen Schwankungen genannt sowie die langsam steigende Inflationsrate. Denn diese lag zuletzt bei 2,5 Prozent und somit auf dem höchsten Wert seit zehn Jahren. Die Folge: Die Kaufkraft der Haushalte sinkt weiter. Das Einkommen stagniert, während die Lebenshaltungskosten stetig ansteigen. Allein der Preis für Heizöl ist innerhalb eines Monats um fast 40 Prozent in die Höhe geschnellt. Hauptsächlich Haushalte, die ohnehin ein (zu) geringes Einkommen haben, werden daher zukünftig vermehrt Kredite aufnehmen müssen und diese mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht zurückzahlen können. Eine positive Nachricht gibt es trotzdem: Dank der steigenden Inflation verlieren wenigstens auch die Schulden an Wert. Ein Trost dürfte das aber nur für die Wenigsten sein. Was also können Betroffene tun?

Die Last des Lebens in der Schuldenfalle

Bestenfalls wird eine Überschuldung natürlich präventiv verhindert. Wie bereits erwähnt, sind viele Schuldner aber unschuldig an ihrer prekären Situation und rutschten durch einen Schicksalsschlag oder ein zu geringes Einkommen in die Überschuldung. Auch hier gilt jedoch: Je früher die Betroffenen handeln, umso größer ist ihre Chance eines Tages wieder ein schuldenfreies Leben führen zu können und zwar bestenfalls ohne die Notwendigkeit einer Privatinsolvenz. Leider machen viele Überschuldete denselben Fehler: Sie möchten sich das Problem nicht eingestehen und versuchen lange Zeit, sich mit immer neuen Krediten sowie einer Umschuldung über Wasser zu halten. Hinzu kommen durch den finanziellen Druck und die Zukunftsängste oft soziale sowie psychische Probleme bis hin zu handfesten Erkrankungen wie einer Depression.

Schlussendlich gibt es aber nur einen Weg aus der Schuldenfalle, wenn sie bereits zugeschnappt hat, und dieser führt in der Regel über eine Schuldnerberatung. Nur wenige Menschen schaffen es aus eigener Kraft aus ihrer finanziellen Notlage. Sinnvoller ist es daher, sich frühzeitig Hilfe zu suchen. Dies nimmt zugleich das beklemmende Gefühl des Alleinseins mit der Überschuldung und gibt neue Hoffnung. Wichtig ist jedoch, auf die Seriosität des jeweiligen Beraters zu achten. Denn leider gibt es auf dem Markt allerhand schwarze Schafe, welche die Notlage der Menschen in der Schuldenfalle auch noch für ihre eigenen Zwecke ausnutzen möchten. Wer jedoch frühzeitig und richtig handelt, hat gute Chancen der Überschuldung zu entkommen. Zuletzt noch einmal der Appell: Der beste Weg ist, die eigenen Einnahmen sowie Ausgaben jederzeit im Blick zu behalten und eine Überschuldung somit gar nicht erst zustandekommen zu lassen. Eine Schuldnerberatung kann im Notfall nämlich auch dann schon helfen, wenn sich eine Überschuldung erst ankündigt, aber bevor sie tatsächlich eingetreten ist.

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