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MÄRKTE EUROPA/Börsen knapp im Plus - EZB manövriert PEPP geschickt

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
FRANKFURT (Dow Jones)--Nach einem schwachen Start schlossen die europäischen Aktienmärkte am Tag der Zinsentscheidung der Europäischen Zentralbank knapp im Plus. Die zuvor zu spürende Anspannung wich ein wenig, nachdem die Notenbanker keine Überraschungen geliefert hatten. Zweifelsohne profitiert die EZB aktuell von ihrem doch recht flexiblem PEPP-Programm. Hier haben die Notenbanker angedeutet, moderat weniger im vierten Quartal zu kaufen. Zudem kaufen sie sich Zeit, genau gesagt drei Monate, bis zu dem Treffen im Dezember. Für diesen Termin hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde eine umfangreiche Überprüfung des Pandemic Emergency Purchase Programme (PEPP) angekündigt. Die Nervosität der vergangenen Tage ist erst einmal vom Tisch, was auch an der schwindenden Volatilität im Währungspaar Euro-Dollar abzulesen war.

Alles in allem war es am Nachmittag dann eine entspannte Sitzung für die Marktteilnehmer, der DAX schloss 0,1 Prozent höher bei 15.623 Punkten. Im Tagestief hatte der Index schon bei 15.454 Punkten gelegen. Der Euro-Stoxx-50 ging kaum verändert bei 4.177 Punkten aus dem Handel. Der Euro notierte zum Dollar bei etwa 1,1825, und die Bundesanleihen tendierten etwas fester.

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EZB nimmt den kleinen Zeh vom Gaspedal
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Trotz der homöopathischen Dosis, in der die EZB ihre Anleihekäufe nun erstmals seit Beginn der Pandemie drosseln will, dürfte dies von den Marktteilnehmern als erster kleiner Schritt in Richtung einer sehr langen und sehr vorsichtigen geldpolitischen Normalisierung angesehen werden, so Ulrike Kastens, Volkswirtin Europa der DWS. Erst im Dezember, wenn auch die Projektionen für 2024 veröffentlicht werden, rechnet Kastens mit einer Entscheidung über eine tatsächliche Neukalibrierung der Geldpolitik. Vor allem das Gesamtvolumen der Ankaufhöhe ab März 2022, wenn das PEPP offiziell beendet sein könnte, dürfte dann im Fokus stehen. 2021 markiere den Höhepunkt der Anleihekäufe, ab 2022 müssten sich die Marktteilnehmer auf ein geringeres Ankaufvolumen einstellen.

ING-Europa-Chefvolkswirt Carsten Brzeski betrachtet das etwas geringere Tempo der EZB-Anleihekäufe im vierten Quartal als einen kleinen Sieg für die geldpolitischen Falken im EZB-Rat. "Es ist kein Tapering, aber ein sehr vorsichtiges Anzeichen dafür, dass Tapering kommen wird", schreibt Brzeski in einem Kommentar zu den Ergebnissen der EZB-Ratssitzung.

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Easyjet braucht Geld
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Mit einem Abschlag von gut 10 Prozent schloss die Aktie von Easyjet, die Fluggesellschaft plant eine Kapitalerhöhung in Höhe von 1,2 Milliarden britischen Pfund sowie eine neue Kreditlinie von 400 Millionen Dollar, um ihre Bilanz zu sanieren und in Wachstum zu investieren. Das zusätzliche Eigenkapital soll die Bilanzposition wieder auf das Niveau von vor der Pandemie bringen und die Liquidität verbessern.

Für die Aktie von Assa Abloy ging es nach der Übernahme von HHI, einem Geschäftsbereich von Spectrum Brands, um 4,7 Prozent nach oben. "Wir sehen starke strategische Gründe für diese Übernahme, da sie Assa in die Lage versetzt, sich auf dem nordamerikanischen Wohnungsmarkt zu stärken und von der schnelleren Durchdringung bei elektromechanischen Lösungen in den USA zu profitieren", hieß es von Jefferies. Der Deal sei aus Sicht der bezahlten Muliples vernünftig, mit dem 14fachen des erwarteten 2021 Ebitda oder dem 10fachen einschließlich der Synergien, so die Analysten. Die Übernahme steigere den Umsatz von Assa um 14 Prozent. Das auf Sicherheitstechnik spezialisierte schwedische Unternehmen zahlt 4,3 Milliarden Dollar in bar für die Sparte.

Im DAX profitierten RWE von Berichten über den Einstieg eines aktivistischen Investors, für die Aktie ging es um 0,9 Prozent nach oben. Merck KGaA legten sogar um 1,9 Prozent zu, die Darmstädter haben die Prognose für den Bereich Life Sciences etwas nach oben genommen. Der DAX-Konzern hat in seiner erhöhten Prognose einkalkuliert, dass der Umsatzbeitrag im Zusammenhang mit der Covid-19-Pandemie in den kommenden Jahren wieder sinken wird. "Auch wenn es noch schwer abzuschätzen ist, gehen wir davon aus, dass dieser covid-bedingte Rückenwind mit der Zeit nachlassen wird", sagte CEO Belen Garijo auf der Kapitalmarktveranstaltung des Konzerns in Darmstadt.

Bayer führten die Verliererseite im DAX an, der Kurs fiel um 2,1 Prozent. "Die strengeren Vorschriften für den Einsatz von Glyphosat führen zu Verkaufsdruck", sagte ein Händler. Mit der Pflanzenschutzanwendungsverordnung sei der Einsatz in Deutschland am Mittwoch stark eingeschränkt worden. Für bestimmte Regionen und bestimmte Wachstumsperioden sei er sogar verboten worden. Komplett verboten ist die Anwendung von Glyphosat ab Januar 2024.

Um weitere gut 10 Prozent aufwärts geht es bei SFC Energy. Nachdem der Brennstoffzellen-Hersteller im Wochenverlauf eine große Kooperation in Indien vermeldet hatte, kam nun noch der größte Auftrag der Unternehmensgeschichte aus den USA dazu. Dort wurden 600 EFOY-Brennstoffzellen bestellt.

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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 4.177,11 -0,04 -0,0% +17,6%
Stoxx-50 3.569,77 -15,24 -0,4% +14,9%
Stoxx-600 467,57 -0,30 -0,1% +17,2%
XETRA-DAX 15.623,15 +12,87 +0,1% +13,9%
FTSE-100 London 7.024,21 -71,32 -1,0% +9,8%
CAC-40 Paris 6.684,72 +15,83 +0,2% +20,4%
AEX Amsterdam 787,17 -1,83 -0,2% +26,0%
ATHEX-20 Athen 2.162,87 -13,69 -0,6% +11,8%
BEL-20 Bruessel 4.215,88 -13,93 -0,3% +16,4%
BUX Budapest 53.015,67 +500,73 +1,0% +25,9%
OMXH-25 Helsinki 5.684,11 -22,52 -0,4% +23,9%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.554,42 +17,91 +1,2% -5,0%
OMXC-20 Kopenhagen 1.802,10 -5,20 -0,3% +23,0%
PSI 20 Lissabon 5.363,45 -24,09 -0,4% +9,0%
IBEX-35 Madrid 8.800,60 -38,10 -0,4% +9,0%
FTSE-MIB Mailand 25.909,83 +32,94 +0,1% +16,4%
RTS Moskau 1.726,37 -0,16 -0,0% +24,4%
OBX Oslo 1.016,45 -10,34 -1,0% +18,4%
PX Prag 1.286,16 -4,35 -0,3% +25,2%
OMXS-30 Stockholm 2.353,39 +6,23 +0,3% +25,5%
WIG-20 Warschau 2.356,39 -8,24 -0,3% +18,8%
ATX Wien 3.637,70 -9,28 -0,3% +30,8%
SMI Zuerich 12.116,43 -98,71 -0,8% +13,2%

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,36 -0,04 +0,21
US-Zehnjahresrendite 1,32 -0,02 +0,40

DEVISEN zuletzt +/- % Do,8:02 Mi, 17.25 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1826 +0,1% 1,1812 1,1815 -3,2%
EUR/JPY 129,81 -0,4% 130,11 130,40 +3,0%
EUR/CHF 1,0850 -0,4% 1,0874 1,0898 +0,4%
EUR/GBP 0,8537 -0,5% 0,8587 0,8594 -4,4%
USD/JPY 109,77 -0,5% 110,13 110,36 +6,3%
GBP/USD 1,3851 +0,6% 1,3758 1,3746 +1,4%
USD/CNH (Offshore) 6,4489 -0,1% 6,4611 6,4603 -0,8%
Bitcoin
BTC/USD 46.952,51 +1,9% 46.356,01 46.061,26 +61,6%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 69,17 69,30 -0,2% -0,13 +44,1%
Brent/ICE 72,41 72,60 -0,3% -0,19 +42,3%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.791,95 1.789,20 +0,2% +2,75 -5,6%
Silber (Spot) 24,05 23,93 +0,5% +0,12 -8,9%
Platin (Spot) 985,40 984,43 +0,1% +0,98 -7,9%
Kupfer-Future 4,28 4,23 +1,1% +0,05 +21,4%
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/thl/cln

END) Dow Jones Newswires

September 09, 2021 12:11 ET (16:11 GMT)

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Im Artikel erwähnt
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