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MÄRKTE EUROPA/Covid-Ängste sorgen für massiven Abverkauf

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
FRANKFURT (Dow Jones)--Europas Börsen standen am Freitag unter massivem Abgabedruck. Hauptthema war die Unsicherheit um die neue in Südafrika aufgetretene Corona-Virus-Variante B.1.1.529. Diese trieb die Akteure an den Aktienmärkten zum Wochenausklang in Scharen auf die Verkäuferseite und sorgte für Kauflaune auf der Anleiheseite.

Der DAX sackte um 4,2 Prozent ab auf 15.257 Punkte ab, für den Euro-Stoxx-50 ging es um 4,7 Prozent auf 4.090 Punkte nach unten. Der Bund-Future machte einen kräftigen Satz nach oben, am Anleihemarkt fielen die Renditen also entsprechend kräftig. Die Ölpreise fielen massiv um über 10 Prozent. Gefragt war zunächst Gold, das aber schließlich ebenfalls nach unten rutschte. Bitcoin musste kräftig Federn lassen. Der Dollar gab nach. Denn die neuen Covid-Sorgen könnten dazu führen, dass die US-Notenbank ihren eingeschlagenen und zuletzt beschleunigten geldpolitischen Straffungskurs wieder verlangsamt.

Die Virus-Variante weist laut Experten eine "sehr hohe Anzahl von Mutationen auf" und gibt "Anlass zur Sorge". Ob die vorhandenen Impfstoffe dagegen wirksam sind, ist unklar. Länder wie Großbritannien und Deutschland haben den Flugverkehr nach Südafrika und in andere afrikanische Staaten eingeschränkt und die WHO will auf einer Expertentagung erörtern, ob der neue Stamm zu einer "besorgniserregenden Variante" erklärt werden soll.

Die neue Mutation verändert die Risiko-Bewertung der Pandemie auf dem Parkett", so Thomas Altmann, Portfoliostratege bei QC Partner. Sollte diese Variante tatsächlich ansteckender und immun gegen Impfstoffe sein, dann blieben zur Bekämpfung einzig und allein massive Einschränkungen. Das wäre Gift für Wirtschaftswachstum und Unternehmensgewinne.

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Reise- und Freizeitwerte leiden
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Risikoverringerung war in diesem Umfeld die Devise am Aktienmarkt. Verkauft wurden Aktien aus Branchen, die mutmaßlich als erste und am stärksten von einer erneuten Corona-Welle in Mitleidenschaft gezogen würden. Der Sektor der Reise- und Freizeitaktien brach um 8,8 Prozent ein. Unter den Einzelwerten fielen IAG rund 15 Prozent, Lufthansa 12,8 Prozent, Fraport 11,5 Prozent und Airbus um 11,5 Prozent.

Ölwerte brachen um 5,8 Prozent ein, weil die Nachfrage nach Öl unter einem erneuten Herunterfahren der Wirtschaft leiden würde. Aber auch Bankaktien (-6,9%) wurden abverkauft. Hier kommt zusätzlich als Belastungsfaktor zu den Konjunktursorgen hinzu, dass die Marktzinsen wieder stark sinken, was die Margen im Kreditgeschäft schmälert.

Klar besser als der breite Markt schnitten wie schon in früheren Corona-Wellen sogenannte "Stay-at-home-Aktien" ab. Hier legten zum Beispiel in Deutschland Hellofresh um 5,1 Prozent zu, Delivery Hero stiegen um 2,9 Prozent. Deutliche Gewinne wiesen auch Werte wie PostNL, Sartorius, die Versandapotheken Zur Rose und Shop Apotheke oder Teamviewer auf. Zalando gewannen 5,5 Prozent.

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Software verkauft sich vielleicht
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Unternehmensmeldungen mit potenziell kursbewegendem Inhalt gab es zwar auch, sie wurden aber durch die allgemeine Stimmungslage überlagert. Software AG schnellten um 9,4 Prozent nach oben. Auslöser war ein Bloomberg-Bericht, wonach das Unternehmen verschiedene strategische Optionen prüfen soll, darunter auch den eigenen Verkauf.

Für Medios ging es um 0,5 Prozent nach unten, die Aktie zeigte damit relative Stärke. Positiv werteten Analysten die am Vortag gemeldete Übernahme. Medios erwirbt NewCo Pharma, ein nationales Netzwerk mit fünf regionalen Herstellbetrieben. Es konzentriert sich auf die Herstellung patientenindividueller Infusionslösungen im Auftrag von spezialisierten Apotheken. Für die Warburg-Analysten ist der Zukauf strategisch sinnvoll und wertschöpfend.

K+S (-5,9%) hat Entwarnung gegeben und muss keine Wertanpassungen aus der Bilanzprüfung der Finanzaufsicht befürchten. Allerdings gibt es laut Behörde "wesentliche Punkte" im Konzernabschluss 2019, die nicht angemessen berichtet wurden.

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Index Schluss- Entwicklung Entwicklung Entwicklung
. stand absolut in % seit
. Jahresbeginn
Euro-Stoxx-50 4.089,58 -203,66 -4,7% +15,1%
Stoxx-50 3.606,58 -142,38 -3,8% +16,0%
Stoxx-600 464,05 -17,67 -3,7% +16,3%
XETRA-DAX 15.257,04 -660,94 -4,2% +11,2%
FTSE-100 London 7.044,03 -266,34 -3,6% +13,2%
CAC-40 Paris 6.739,73 -336,14 -4,8% +21,4%
AEX Amsterdam 781,63 -25,92 -3,2% +25,1%
ATHEX-20 Athen 2.058,55 -99,49 -4,6% +6,4%
BEL-20 Bruessel 4.126,73 -110,81 -2,6% +14,0%
BUX Budapest 50.961,25 -1403,12 -2,7% +21,0%
OMXH-25 Helsinki 5.291,80 -192,04 -3,5% +15,4%
ISE NAT. 30 Istanbul 1.914,37 -57,72 -2,9% +17,0%
OMXC-20 Kopenhagen 1.806,59 -17,17 -0,9% +23,3%
PSI 20 Lissabon 5.560,44 -135,37 -2,4% +10,8%
IBEX-35 Madrid 8.402,70 -438,20 -5,0% +4,1%
FTSE-MIB Mailand 25.852,99 -1245,84 -4,6% +21,9%
RTS Moskau 1.589,38 -76,36 -4,6% +14,6%
OBX Oslo 1.044,16 -36,17 -3,3% +21,6%
PX Prag 1.351,84 -22,93 -1,7% +31,6%
OMXS-30 Stockholm 2.242,18 -93,41 -4,0% +19,6%
WIG-20 Warschau 2.143,13 -86,31 -3,9% +8,0%
ATX Wien 3.630,85 -158,43 -4,2% +34,8%
SMI Zuerich 12.199,21 -250,47 -2,0% +14,0%


DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 7:56 Do, 17:24 % YTD
EUR/USD 1,1302 +0,8% 1,1230 1,1212 -7,5%
EUR/JPY 128,19 -0,8% 128,70 129,32 +1,7%
EUR/CHF 1,0437 -0,5% 1,0457 1,0492 -3,5%
EUR/GBP 0,8486 +0,8% 0,8439 0,8416 -5,0%
USD/JPY 113,42 -1,7% 114,59 115,35 +9,8%
GBP/USD 1,3320 -0,0% 1,3307 1,3322 -2,5%
USD/CNH (Offshore) 6,3995 +0,2% 6,3929 6,3868 -1,6%
Bitcoin
BTC/USD 54.396,76 -7,7% 57.689,76 59.208,26 +87,3%

ROHOEL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 68,30 78,39 -12,9% -10,09 +43,8%
Brent/ICE 72,89 82,22 -11,3% -9,33 +62,5%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.784,96 1.788,92 -0,2% -3,97 -6,0%
Silber (Spot) 23,05 23,58 -2,2% -0,52 -12,7%
Platin (Spot) 955,07 998,76 -4,4% -43,69 -10,8%
Kupfer-Future 4,29 4,44 -3,8% -0,17 +21,8%
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Kontakt zum Autor: manuel.priego-thimmel@wsj.com

DJG/raz

END) Dow Jones Newswires

November 26, 2021 11:58 ET (16:58 GMT)

Copyright (c) 2021 Dow Jones & Company, Inc.
Im Artikel erwähnt
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