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MÄRKTE EUROPA/Schwache Wall Street belastet im Verlauf

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
FRANKFURT (Dow Jones)--Die europäischen Aktienmärkten drehen nach einer katastrophalen Woche am Freitagnachmittag erneut deutlicher ins Minus. Die Kursschwäche der Wall Street, und dort vor allem der Technologiesektor, belastet. Die Kaufbereitschaft vor dem Wochenende ist ohnehin gering. Vor Wochenfrist war der DAX noch mit 12.645 Punkten aus dem Handel gegangen. Am Freitagnachmittag notiert er 0,7 Prozent tiefer bei 11.518 Punkten und damit über 1.000 Zähler unter Vorwochenniveau. Der Euro-Stoxx-50 gibt um 0,4 Prozent auf 2.947 Punkte ab. Die weiter massiv anziehende Zahl an Neuinfektionen und die damit verbundenen steigenden wirtschaftlichen Risiken sorgen für Zurückhaltung unter Anlegern. Zunehmend zum Thema wird die US-Wahl in der kommenden Woche - vor allem ein unklarer Wahlausgang würde die Börsen belasten.

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US-Wahl und die Börsen
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Für Michael Jensen, Head of Asset Management bei Moventum Asset Management, wäre es der Worst Case, wenn sich ein abgewählter Präsident Donald Trump weigerte, dem neuen Präsidenten Joe Biden den Platz im Weißen Haus zu überlassen. Ein Horrorszenario für die Märkte. "Wenn am 3. November 2020 die Zahlen nicht eindeutig ausfallen, wenn eine oder gar beide Seiten Unregelmäßigkeiten beim Wahlablauf sehen, wenn die Briefwahlstimmen erst später dazu gezählt werden, dann ist ein solches Szenario möglich", so Jensen. Dieser Option gibt er eine niedrige Wahrscheinlichkeit von nur 5 Prozent.

Dagegen erwartet Jensen mit einer Wahrscheinlichkeit von 45 Prozent, dass Biden neuer US-Präsident wird und seine Demokraten die Mehrheit in beiden Häusern holen. Einer Eintrittswahrscheinlichkeit von 30 Prozent gibt er der Wiederwahl von Trump mit einem demokratischen Repräsentantenhaus und einem republikanischen Senat. Die restlichen 20 Prozent gehen an einen Präsidenten Biden, das Repräsentantenhaus bleibt demokratisch, der Senat republikanisch.

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Europa im dritten Quartal im Wachstumsrausch
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Das Bruttoinlandprodukt (BIP) der Eurozone legt einer ersten Schätzung zufolge im dritten Quartal mit einer rekordhohen Wachstumsrate von 12,7 Prozent gegenüber dem Vorquartal zu. Spanien, Frankreich und Italien glänzen dabei mit zweistelligen Zuwachsraten. "Allerdings spiegeln sich darin vor allem Basiseffekte", relativiert Thomas Gitzel, Chefökonom der VP Bank, die Daten. Der Absturz im zweiten Quartal sei derart tief gewesen, dass im dritten Quartal nach dem wirtschaftlichen Neustart entsprechend hohe Zunahmen zu verbuchen seien. Die Regierungen seien aber erneut zu Lockdown-Maßnahmen gezwungen. Gerade in den südlichen Ländern drohe das Virus außer Kontrolle zu geraten. Die Restriktionen seien dementsprechend hart, was im vierten Quartal zu deutlichen wirtschaftlichen Bremsspuren führen werde.

Die Berichtsperiode gerät angesichts der Großwetterlage etwas in den Hintergrund: Gut kommen die Geschäftszahlen von Lafargeholcim im Handel an, die Aktie notiert nach anfänglichen Gewinnen knapp im Minus. Der Baustoffkonzern zeige sich nach einem starken Quartal auch für das vierte Quartal optimistisch, was besonders angesichts der erneut aufgekommenen Coronasorgen gut ankomme, meint ein Händler. Auf Unternehmensebene überrasche die deutliche Steigerung der EBIT-Marge, entsprechend wurde der Ausblick für den freien Cashflow drastisch um rund 38 Prozent erhöht auf mehr als 2,75 Milliarden Franken. Auch Saint-Gobain (plus 4 Prozent) hat gute Kennziffern abgeliefert und den Gewinnausblick erhöht.

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Swiss Re besser als befürchtet
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Swiss Re steigen um 3 Prozent. Zwar lastet die Coronakrise auf den Geschäftszahlen, Analysten hatten aber mit noch höheren Belastungen gerechnet. Im dritten Quartal konnte angesichts der Zwischenerholung der Wirtschaft ein Gewinn erzielt werden. Zudem seien rund zwei Drittel der Rückstellungen nur vorsorglich vorgenommen und nicht abgerufen worden. Die Chance auf stärkere Zahlen in den kommenden Quartalen sei also da, heißt es.

Keine Überraschung stellten die schwachen Geschäftszahlen von Air-France-KLM (minus 3,8 Prozent) dar, heißt es im Handel. Der Verlust im dritten Quartal sei noch etwas höher als erwartet ausgefallen. Da der neue Lockdown besonders in Frankreich drastisch ausfalle, sei für das vierte Quartal sogar mit einer weiteren Verschlechterung zu rechnen, so mahnende Stimmen im Handel.

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Aktienindex zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
Euro-Stoxx-50 2.947,20 -0,43 -12,83 -21,31
Stoxx-50 2.688,07 -0,53 -14,32 -21,01
DAX 11.518,24 -0,69 -79,83 -13,06
MDAX 25.655,40 -0,57 -146,42 -9,39
TecDAX 2.805,04 -1,06 -30,06 -6,96
SDAX 11.586,49 0,41 46,87 -7,40
FTSE 5.569,34 -0,22 -12,41 -26,00
CAC 4.573,44 0,08 3,77 -23,50

Rentenmarkt zuletzt absolut +/- YTD
Dt. Zehnjahresrendite -0,62 0,02 -0,86
US-Zehnjahresrendite 0,86 0,03 -1,82

DEVISEN zuletzt +/- % Fr, 08:03 Uhr Do, 17:07 Uhr % YTD
EUR/USD 1,1680 +0,09% 1,1683 1,1659 +4,1%
EUR/JPY 122,23 +0,12% 121,83 121,99 +0,3%
EUR/CHF 1,0696 +0,07% 1,0679 1,0686 -1,5%
EUR/GBP 0,9025 -0,02% 0,9049 0,9036 +6,6%
USD/JPY 104,63 +0,02% 104,35 104,65 -3,8%
GBP/USD 1,2943 +0,12% 1,2902 1,2902 -2,3%
USD/CNH (Offshore) 6,6926 -0,26% 6,6954 6,7195 -3,9%
Bitcoin
BTC/USD 13.448,75 +0,32% 13.189,50 13.422,25 +86,5%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 35,45 36,17 -2,0% -0,72 -37,2%
Brent/ICE 37,46 37,65 -0,5% -0,19 -38,9%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.882,03 1.866,87 +0,8% +15,16 +24,0%
Silber (Spot) 23,59 23,26 +1,4% +0,32 +32,1%
Platin (Spot) 850,55 851,00 -0,0% -0,40 -11,9%
Kupfer-Future 3,04 3,06 -0,3% -0,01 +7,7%
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Kontakt zum Autor: thomas.leppert@wsj.com

DJG/thl/flf

END) Dow Jones Newswires

October 30, 2020 11:20 ET (15:20 GMT)

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Im Artikel erwähnt
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