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MÄRKTE USA/Erneuter Absturz - Huawei-Affäre verschärft Sorgen

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
NEW YORK (Dow Jones)--Die Aktienkurse an der Wall Street sacken am Donnerstagmittag New Yorker Zeit erneut massiv ab. Damit droht eine Wiederauflage des Absturzes vom Dienstag, als die Indizes um über 3 Prozent nachgaben. Am Vortag fand wegen des Gedenkens an den verstorbenen Ex-Präsidenten George H. W. Bush kein Handel statt.

Die Sorgen um eine weitere Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und China verwandeln sich zunehmend in Angst über die weltwirtschaftliche Entwicklung. Auslöser am Berichtstag ist die Meldung über die Verhaftung der Finanzchefin des chinesischen Smartphone-Herstellers Huawei, Meng Wanzhou, in Kanada auf Betreiben der USA. Denn diese Maßnahme bedeutet aus Sicht der Marktteilnehmer einen harschen Dämpfer für die erhoffte Annäherung im Handelsstreit zwischen USA und China.

Der Dow-Jones-Index verliert 2,7 Prozent auf 24.340 Punkte. Der S&P-500 gibt um 2,5 Prozent nach und für den Nasdaq-Composite geht es um 2,0 Prozent nach unten. Neben der China-Frage drückt weiter die zunehmend inverse Zinsstruktur in den USA, bei der die Zinsen am kurzen Ende höher sind als die am langen Ende. "Im Moment ist alles etwas außer Kontrolle", sagt Analyst Michael Antonelli von R.W. Baird & Co.

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Ölpreise wieder auf Talfahrt

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Für Verunsicherung sorgen auch die weiter abstürzenden Ölpreise vor dem Hintergrund des gerade stattfindenden Opec-Treffens in Wien. Brent-Öl verbilligt sich um 4,7 Prozent auf 58,67 Dollar, im Verlauf betrug das Minus auch schon 5 Prozent. Vom Treffen der Opec-Staaten heißt es, dass man sich prinzipiell auf eine Förderkürzung geeinigt hat. Das Ausmaß der Maßnahme dürfte allerdings erst am Freitag festgelegt werden. Die derzeit offenbar diskutierte Senkung der Fördermenge von rund 1 Million Barrel bliebe unter den Erwartungen. Auch der kräftige Abbau der Rohöllagerbestände in den USA kann den Preisverfall nicht aufhalten. Der WTI-Preis fällt um 5 Prozent auf 50,22 Dollar je Barrel.

Die Konjunkturdaten finden in dem nervösen Umfeld kaum Beachtung. Der ADP-Arbeitsmarktbericht blieb mit einer Zunahme von 179.000 Stellen im privaten Sektor im November leicht unter der Prognose eines Plus von 190.000. "Das Jobwachstum ist stark, hat aber wahrscheinlich seinen Höhepunkt erreicht", sagt Mark Zandi, Chefökonom von Moody's Analytics.

Die Produktivität ex Agrar fiel im dritten Quartal mit einem Plus von 2,3 Prozent einen Tick höher als erwartet aus. Die Zahl der wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe ist zwar gefallen, doch waren Ökonomen von einem stärkeren Rückgang nach dem deutlichen Anstieg in der Vorwoche ausgegangen. Das Defizit in der US-Handelsbilanz ist im Oktober etwas stärker als erwartet gestiegen.

Sowohl der ISM-Index als auch das Markit-Index für das nicht-verarbeitende Gewerbe im November übertrafen die Prognosen. Der Auftragseingang ging im Oktober um 2,1 Prozent zurück, allerdings war dies in etwa so erwartet worden.

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"Sichere Häfen" gesucht

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Mit den zunehmenden Sorgen hinsichtlich Konjunktur und Handelsstreit sowie Brexit und Italien-Haushalt sind bei Investoren die vermeintlich "sicheren Häfen" gesucht. Dazu gehören vor allem die Anleihemärkte. Die Rendite zehnjähriger US-Papiere reduziert sich um 11,4 Basispunkte auf 2,85 Prozent. Damit verengt sich die Differenz zwischen der Zwei- und der Zehnjahresrendite. Diese wird von den Investoren ganz genau beobachtet, denn jeder Rezession seit 1975 gingen inverse Zinskurven voraus, also Zweijahresrenditen, die die der zehnjährigen Titel übertrafen.

Am Devisenmarkt legt der als "Fluchtwährung" gesuchte Yen gegenüber Dollar zu. Der US-Dollar rutschte im Tagestief bis auf 112,22 Yen nach Wechselkursen klar über der Marke von 113 am Vorabend. Aktuell geht der Dollar mit 112,41 Yen um. Der Dollar gibt mit den etwas schwächeren ADP-Daten nach. Im Gegenzug steigt der Euro bis auf das Tageshoch von 1,1394 Dollar, gibt aber aktuell wieder etwas nach auf 1,1366.

Der Goldpreis legt nach seiner jüngsten Rally um weitere 0,4 Prozent auf 1.242 Dollar zu. Er notiert damit auf dem höchsten Niveau seit fünf Wochen. Das Edelmetall profitiert ebenfalls von seinem Status als "sicherer Hafen".

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Hewlett Packard drehen nach Zahlen ins Plus

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Für die Aktien von Hewlett Packard geht es um 6,5 Prozent nach oben. Das Technologie-Unternehmen hatte am Dienstagabend Zahlen für das vierte Geschäftsquartal vorgelegt. Der Umsatz fiel besser als gedacht aus, der bereinigte Gewinn ebenfalls. Der Ausblick für das Geschäftsjahr 2019 wurde bestätigt.

Mit den fallenden Ölpreisen geht es für die Aktien der Öl- und Energiewerte nach unten. So fallen die Titel von Chevron um 3,2 Prozent und Exxon Mobil büßen 2,6 Prozent ein. Der Energie-Sektor im S&P-500 gehört mit einem Abschlag von 3,5 Prozent zu den schwächsten Branchen.

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INDEX zuletzt +/- % absolut +/- % YTD
DJIA 24.340,26 -2,74 -686,81 -1,53
S&P-500 2.632,03 -2,52 -68,03 -1,56
Nasdaq-Comp. 7.018,25 -1,96 -140,18 1,66
Nasdaq-100 6.668,17 -1,87 -127,04 4,25

US-Anleihen
Laufzeit Rendite Bp zu VT Rendite VT +/-Bp YTD
2 Jahre 2,71 -11,0 2,82 151,1
5 Jahre 2,71 -11,0 2,82 78,5
7 Jahre 2,77 -11,5 2,88 52,2
10 Jahre 2,85 -11,4 2,96 40,3
30 Jahre 3,13 -10,6 3,23 5,9

DEVISEN zuletzt +/- % Do, 8:16 Mi, 18:01 % YTD
EUR/USD 1,1366 +0,16% 1,1332 1,1350 -5,4%
EUR/JPY 127,76 -0,50% 128,07 128,39 -5,6%
EUR/CHF 1,1287 -0,28% 1,1304 1,1324 -3,6%
EUR/GBP 0,8901 -0,10% 0,8913 0,8904 +0,1%
USD/JPY 112,41 -0,65% 113,03 113,11 -0,2%
GBP/USD 1,2771 +0,28% 1,2713 1,2747 -5,5%

ROHÖL zuletzt VT-Settl. +/- % +/- USD % YTD
WTI/Nymex 50,22 52,89 -5,0% -2,67 -13,0%
Brent/ICE 58,67 61,56 -4,7% -2,89 -6,8%

METALLE zuletzt Vortag +/- % +/- USD % YTD
Gold (Spot) 1.242,36 1.237,33 +0,4% +5,03 -4,6%
Silber (Spot) 14,44 14,51 -0,5% -0,07 -14,7%
Platin (Spot) 787,00 801,00 -1,7% -14,00 -15,3%
Kupfer-Future 2,71 2,77 -2,2% -0,06 -19,1%
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Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

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END) Dow Jones Newswires

December 06, 2018 11:57 ET (16:57 GMT)

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Im Artikel erwähnt
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