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MARKT-AUSBLICK/Börse vor Zeitenwende

| Quelle: Dow Jones Newswire Web
FRANKFURT (Dow Jones)--Eine Woche der Trendsuche dürfte DAX & Co in der kommenden Woche bevorstehen. Denn mit der Zeitenwende der US-Notenbank bei ihrer Inflationsbewertung müssen die Weichen an den Börsen neu gestellt werden. Die Aussicht auf steigende Renditen dürfte generell zu einem Hinterfragen aller Aktienbewertungen führen, besonders bei zinsempfindlichen Aktien wie den Technologiewerten.

Zu einer Neueinschätzung ihrer Positionen dürften Fondsmanager so kurz vor Jahresende allerdings nicht mehr viel Lust haben. Schließlich wird die Zeit knapp: Aufgrund der abnehmenden Liquidität vor den Weihnachtsfeiertagen werden die Bücher üblicherweise ab der Dezembermitte so langsam geschlossen.

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Der Automatismus "Corona gleich Geldschwemme" ist vorbei
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Die Tragweite der Trendwende in den USA scheint dabei am Markt noch nicht recht angekommen zu sein. Dazu beigetragen hatte das plötzliche Auftauchen der Omikron-Variante von Corona. Sie hatte zahlreiche Marktteilnehmer dazu verführt, weiter auf den bisher bekannten Zyklus beim Auftauchen von Coronaproblemen zu setzen, die Notenbanken automatisch mit einer Verlängerung der Geldschwemme beantworten.

Aussagen von Fed-Chef Jerome Powell machte hingegen klar, dass ihn Corona nicht mehr groß interessiert. Powell sprach vor allem von einer sehr starken US-Wirtschaft - und auch einer ebenso starken Inflation. Den Sprachgebrauch von der angeblich "nur temporären" Inflation schickte er in den Ruhestand. Geglaubt hatte das zwar sowieso kaum jemand, allerdings hat es noch eine andere Tragweite, wenn die Inflationsbekämpfung von der Fed nun auch offiziell als neues Ziel ausgerufen wird.

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Europa importiert Inflation durch schwachen Euro
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Allein in Regen und Rampenlicht steht damit EZB-Chefin Lagarde. Hier wartet der Markt mit Interesse auf ihre Wortwahl, mit der sie für Europa wohl weiter von der temporären Inflation fabulieren wird. Nachdem diese Woche eine historische Explosion in den Produzentenpreisen (PPI) der Eurozone um 21,9 Prozent zum Vorjahr vermeldet wurde, könnte sie damit die Glaubwürdigkeit der EZB unterminieren.

Der Euro dürfte seinen Abwärtstrend noch verschärfen, wenn den unvermeidlichen Straffungsmaßnahmen in den USA weiter das weitgehende Ignorieren der Inflation in der Eurozone gegenübersteht. Seit einem Hoch über 1,22 Dollar ist die Währung allein seit dem Sommer auf rund 1,13 Dollar gefallen. Mit der sinkenden Kaufkraft des Euro holt Lagarde noch zusätzlich die importierte Inflation in Form steigender Energiepreise ins Land.

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Mit den US-Verbraucherpreisen wird das Bild rund
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Mit Spannung blicken Händler auf kommenden Freitag, wenn die frischen Verbraucherpreise (CPI) in den USA vorgelegt werden. Erst dann ist der Datenkranz nach den US-Arbeitsmarktdaten vollständig, um sich ein realistisches Bild von den Einflussfaktoren auf die künftigen Schritten der US-Notenbank zu machen. An der Tendenz steigender Renditen in den USA dürfte sich aber nichts ändern.

Profi-Anleger können damit aber gut leben: Denn schließlich banden Powell und viele andere Sprecher der US-Notenbank ihre Inflationswarnungen gut ein in die Aussage, dass die US-Wirtschaft ebenfalls sehr stark sei. Wie der ISM-Index der US-Industrie diese Woche zeigte, dürfte sich daran auch so schnell nichts ändern. Denn die Subkomponente der Auftragseingänge sprang auf hohem Niveau noch weiter an.

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Starke Konjunktur entkommt dem Preisdruck
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Anlegers Liebling in den kommenden Wochen könnten daher Konjunkturaktien sein, die dem Margendruck entkommen und ihre erhöhten Einkaufspreise munter an den Kunden weiterreichen können. Dass das derzeit sehr gut funktioniert, hat gerade diese Woche das neueste Beige Book der Fed bestätigt.

Auch bei Autowerten könnte es rund laufen. Den Startschuss für eine Rally dürften General Motors gegeben haben, indem sie endlich Besserung beim leidigen Thema der Lieferkettenprobleme sieht. Schließlich hatte die Chip-Knappheit über ein Jahr lang einen Deckel auf die möglichen Absatzmengen der Autohersteller gelegt. Der Herstellerverband VDIK erwartet daher allein für Deutschland im nächsten Jahr ein Absatzplus von 15 Prozent.

Kontakt zum Autor: maerkte.de@dowjones.com

DJG/mod/raz

END) Dow Jones Newswires

December 03, 2021 06:40 ET (11:40 GMT)

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