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Qualitätsprüfung

| Quelle: Hans A. Bernecker

Nach 50 % DAX-Gewinn ist eine Qualitätsprüfung schlicht notwendig. Das begründet vernünftigerweise die begonnene Konsolidierung. Gibt es dafür einen Rahmen mit Punkten, die man abhaken kann?

 

Die Konsolidierung begann am Montag, als die deutschen Außenhandelszahlen für ein großes Erschrecken sorgten. Für die Lobbyinstitutionen aus Industrie und Handel ergab dies eine Katastrophe. Es führt zu einer Qualitätsprüfung für die deutsche Industrie, wie man mit einem blitzartigen Einsturz der Geschäfte umgeht. Zum Außenhandel gehören Export und Import und der Saldo ergibt den Exportüberschuss oder ein Defizit. Nur darin drücken sich Stärke und Schwäche einer Volkswirtschaft aus, jedoch nicht im Monats,- sondern im Jahresvergleich. Ergebnis: Deutschland bleibt mit seinen hochgerechneten Ergebnissen bei Weitem der größte Exporteur der Welt, bezogen auf das Land und seiner Wirtschaftsleistung und ist im absoluten Vergleich nach USA und China der wichtigste Träger des Welthandels. Das ist die erste Qualitätsprüfung.

 

April und Mai sind durchweg die schlechtesten Monate des Jahres. 50 % DAX-Gewinn sind dagegenzustellen. Wie viel hat der Markt nun vorweg eingepreist, eventuell zu viel, und wie viel davon ist abzustreichen? Dieser Test ist fällig und muss sein. Dagegen steht: Die genannten Gewinne sind das Gegenstück zu den bekannten Verlusten gegenüber den Rekordpreisen und das ergibt einen Überschuss von vielleicht 10 bis 15 % netto. Darin läge also der tatsächliche Stand aller Kurse, wiederum im DAX gerechnet. Daraus eine Superperspektive abzuleiten, die zu weit gegangen sei, ist zumindest sehr mutig. Dazu zählt:

 

Keine Zahl für Umsatz, Gewinn und sonstigen betriebswirtschaftlichen Begriffen ist zurzeit verwendbar. Das hat es in dieser Form noch nie gegeben. Alle Analysten stehen deshalb im Dunklen. Wie auch immer sie rechnen und seriös kalkulieren, ihnen fehlt die Ausgangslage, worauf man aufbauen kann. Also ist entweder Gefühl oder Weitsicht nötig. Wie funktioniert das? Die Wirtschaft funktioniert stets in Zyklen. Dazu gehören Übertreibungen nach oben oder unten, die in der Regel zu ignorieren sind. Auf den Mittelwert kommt es an oder auf die Spanne, in der sich ein Land oder ein Trend bewegt. Dafür gibt es die Standardstatistik und das Prinzip der gewogenen Durchschnitte. Sie beruhen darauf, dass man die Zahlen verwendet, die jeweils für den größeren Durchschnitt sorgen oder ihn repräsentieren. Mit den genannten Zahlen von April/Mai, lässt sich dies gut machen. Erst im Juli/August gibt es dafür glaubwürdige Bezugsgrößen. Bis dahin marschieren wir im Dunklen. Genau das muss der Markt nun einpreisen bzw. richtig kombinieren.

 

In dieser Frage steckt dann der Umfang der Konsolidierung. Nun ist es eine Mutfrage, eine Prognose zu fahren. Dem DAX fehlten am Montag nur 7 % bis zum alten Rekord. In der laufenden Konsolidierung wird sich nun ein Boden bilden, der dafür ausreicht, ein neues DAX-Ziel zu nennen. Die Bezugsgröße dafür ist schon früher genannt worden: 14.500 bis max. 16.000 sind gelegentlich herumgereicht worden. Am solidesten rechnete sich ein DAX-Ziel von 14.500 bis 15.000 in der richtigen Rechnung der DAX-Ergebnisse gemäß den umfangreichen Analystenschätzungen. Das ergab ein KGV von 14 bis 14,5 für den DAX. Durch die Coronakrise wurde dieser Sachverhalt ausgehebelt. Wie lange dauert es, bis diese Größe wieder erreicht wird -nämlich rd. 1.100 € Gewinn je DAX-Aktie (gewichtet gerechnet)?

 

Ein Jahr ist wahrscheinlich die richtige Zeitachse. Das ergäbe einen Gewinn des DAX, vom Krisenniveau aus gerechnet, von rd. 60 – 65 % in 12 bis 15 Monaten. Damit sind wir beim Vergleich zu 2009. Der DAX schaffte damals in den ersten 12 Monaten rd. 60 % und nach fast zwei Jahren 100 %. In solchen Zielen stecken zum einen die realistischen Daten von heute und zum anderen die Erwartungsdaten von morgen. Inklusive Wachstumsprämie, die an der Börse nun mal nicht zu leugnen ist.

 

Die laufende Qualitätsprüfung wird dies sehr wahrscheinlich belegen. Aber zwei bis drei Monate Geduld sind nötig. Das ist die Sicht von heute.

 

Ihr

 

Hans A. Bernecker

 

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