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Renault-Nissan-Kooperation wegen Ghosn vor dem Ende?

| Quelle: finanztreff

Der ehemalige Renault-Nissan-Chef Carlos Ghosn ist im vergangenen Monat spektakulär in den Libanon geflohen. In Japan wird Ghosn unter anderem wegen wegen Untreue und finanziellen Fehlverhaltens per Haftbefehl gesucht, doch dorthin wird der gebürtige Libanes wohl niemals zurückkehren. Nun steht offenbar auch das französisch-japanische Autobündnis Renault-Nissan-Mitsubishi vor dem Bruch. Die Renault-Aktie sackt auf ein Sieben-Jahres-Tief ab. 

Die britische Wirtschaftszeitung Financial Times (zahlungspflichtig) berichtet über Planspiele bei Nissan, in denen auch eine Trennung von Renault durchgespielt wird. Unter anderem solle die Kooperation  bei Entwicklung und Fertigung beendet werden.  Trotz der Bemühungen, die Beziehungen auf beiden Seiten zu verbessern, sei die Partnerschaft mit Renault nun vergiftet, sagten zwei der Befragten laut FT. Viele hochrangige Nissan-Manager glaubten, der französische Autobauer sei ein Hindernis für sein japanisches Gegenstück.

Eine komplette Trennung würde wahrscheinlich beide Automobil-Hersteller bestärken, neue Partner in einer Branche zu suchen, die mit sinkenden Verkäufen und steigenden Kosten von der Umstellung auf Elektrofahrzeuge zu kämpfen hat.

Die Renault-Aktie -0,58% sackte am Montag zeitweise um mehr als vier Prozent auf den tiefsten Stand seit Januar 2013 ab (siehe Chart unten), Nissan-Motor-Papiere -1,52% rutschten im europäischen Handel auf ein Zehn-Jahres-Tief.

Auch die Analysehäuser sehen die Zukunft der beiden Autokonzerne skeptisch. Kepler Cheuvreux hatte Renault in der vergangenen Woche von "Buy" auf "Hold" abgestuft. Die Abstufung resultiere aus dem schwachen Free Cashflow des Autoherstellers, schrieb Analyst Michael Raab in einer Branchenstudie. Die Konsensschätzungen dürften künftig sinken.

Die französische Investmentbank Exane BNP Paribas hat die Franzosen sogar von "Neutral" auf "Underperform" abgestuft und das Kursziel von 47 auf 36 Euro gesenkt. Er baue 2020 nicht auf zyklische Unterstützung im Autosektor und favorisiere daher die Aktien strukturell belastbarer Branchenwerte, schrieb Analyst Stuart Pearson in einer am Donnerstag vorliegenden Studie. Renault gehöre hingegen eher zu den Champions in konjunkturell besseren Zeiten. (mmr mit Material von dpa-AFX)

Zehn-Jahres-Chart Renault (in Euro, Xetra)
Im Artikel erwähnt
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