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Schlimmer als Finanzkrise – Geschäftsklima bricht ein

| Quelle: finanztreff

Das Ifo-Geschäftsklima und der Einkaufsmanagerindex sind wegen der Corona-Krise in einem bisher beispiellosen Maß eingebrochen. Chefökonomen sehen die Wirtschaft nun in einer schlechteren Verfassung als zu Zeiten der Finanzkrise.

Im März ist der Ifo-Geschäftsklima-Index auf 86,1 Punkte gefallen, nach 96,0 Punkten im Monat zuvor. Dies ist der stärkste Rückgang des wichtigsten deutschen Konjunkturbarometers seit der deutschen Wiedervereinigung und der niedrigste Wert seit Juli 2009.

Insbesondere die Konjunkturwartungen der Unternehmen hat sich im März wie nie zuvor verdüstert. Der Rückgang der Erwartungen im verarbeitenden Gewerbe ist mit Blick auf 70 Jahre Umfragen in der Industrie historisch einmalig.

Auch die Wirtschaftsstimmung in der Eurozone war am Dienstag als Folge der Corona-Krise dramatisch eingebrochen. Wie das Marktforschungsinstitut IHS Markit mitteilte, sackte der von ihm erhobene Einkaufsmanagerindex im März um 20,2 Punkte auf 31,4 Zähler ab. Das ist ein Rekordtief – selbst das historische Tief aus Zeiten der Finanzkrise wurde klar unterboten.

Das sagen die Chefökonomen zur Wirtschaftslage:

Carsten Brzeski, Chefökonom Deutschland der ING:

"Alle Volkswirtschaften der westlichen Welt sehen sich mit einer beispiellosen Krise konfrontiert. Rezession ist nicht ganz das richtige Wort für den fast vollständigen Stillstand kompletter Volkswirtschaften, der so plötzlich gekommen ist."

Uwe Burkert, Chefvolkwirt der LBBW:

"Wir bewegen uns in Dimensionen wie in der Finanzkrise, eher noch etwas schlechter. Und dieses Mal sind vor allem die Dienstleister getroffen. Was nicht heißt, dass es in der Industrie nicht auch noch schlimmer kommen kann."

Alexander Krüger, Chefvolkswirt Bankhaus Lampe:

"Das deutsche BIP wird durch die Corona-Krise einen heftigen Absturz erfahren. Grundsätzlich meinen wir, dass sich die aktuelle Krise, verglichen mit dem Konjunktureinbruch nach der Lehman-Insolvenz, negativ dahingehend unterscheidet, dass das öffentliche Leben seinerzeit trotz der Bankenkrise weiter stattfand und Konsum möglich war."

Jörg Krämer, Chefvolkswirt der Commerzbank:

"Ein scharfer Einbruch der Wirtschaft im zweiten Quartal scheint unausweichlich. Zudem ist es nicht sicher, ob die Zahl der Neuinfektionen bis zur Jahresmitte ausreichend gefallen ist, um die Beschränkungen für die Wirtschaft dann wieder aufheben zu können. In diesem Risikoszenario würde der Konjunkturverlauf nicht einem V, sondern zunächst einem L ähneln, was sicher Diskussionen über die angemessene Strategie im Kampf gegen Corona auslösen würde."



Mit Material von dpaAFX.
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