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Streeck: Mehr Ruhe in Corona-Diskussion würde allen guttun

| Quelle: dpa-AFX
BERLIN (dpa-AFX) - Der Virologe Hendrik Streeck ist vom rasanten Anstieg der Corona-Infektionszahlen überrascht. Er glaube aber nicht, dass das nachlässige Verhalten der Bevölkerung dafür verantwortlich ist, sagte der Wissenschaftler von der Universität Bonn der Süddeutschen Zeitung (Wochenendausgabe). "Nach meiner Wahrnehmung verhält sich der Großteil der Menschen vorbildlich." Er vermutet vielmehr, dass wie bei anderen Coronaviren auch bei Sars-CoV-2 die Saisonalität eine große Rolle spiele, also dass sich das Infektionsgeschehen mit den Jahreszeiten verändert. Zudem habe man vermutlich die Bedeutung von privaten Treffen unterschätzt.

Streeck bekräftigte seine schon im Vorfeld geäußerte Kritik am jüngst beschlossenen Teil-Lockdown. "Ich halte den Shutdown für zu früh. Er bringt sicherlich die Infektionszahlen runter. Aber nach den vier Wochen werden sie wieder steigen, dann geht es von vorne los." Man gebe den Menschen damit keine Perspektive. "Das Virus geht ja nicht weg."

Statt eines solchen "Stotterbremsens" müsse man eine Langzeitstrategie entwickeln und sich vor allem auf den Schutz der Risikogruppen konzentrieren. Er nannte Schnelltest und FFP2-Masken für Altersheime und für Senioren daheim sowie die Organisation von Nachbarschaftshilfen etwa für den Einkauf als mögliche Maßnahmen.

Streeck gestand ein, in den zurückliegenden Monaten auch Fehleinschätzungen abgegeben zu haben. So sei er zu Beginn der Pandemie nicht vom Nutzen der Masken überzeugt gewesen. Zudem habe er anfangs das Virus für weniger gefährlich gehalten als das Grippevirus. "Da habe ich mich klar getäuscht."

Grundsätzlich wünsche er sich, dass etwas Ruhe in die Diskussion reinkomme und das Thema nicht mehr so im Vordergrund stehe. "Das, glaube ich, würde allen guttun."/ags/DP/he


Quelle: dpa-AFX
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