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Walt Disney: Unterhaltungs-Riese dreht auf

| Quelle: finanztreff

Iron Man, Spider-Man, Captain America, Hulk und viele mehr: Die Superhelden von "Avengers: Endgame" stehen nun offiziell ganz oben auf dem Treppchen. "Avengers: Endgame" ist seit dem Wochenende der weltweit erfolgreichste Film der Kinogeschichte. Der Film habe seit seiner Veröffentlichung im April weltweit rund 2,7902 Milliarden Dollar (gut 2,48 Milliarden Euro) eingespielt und damit die alte Bestmarke von "Avatar - Aufbruch nach Pandora" (2009) in Höhe von 2,7897 Milliarden Dollar überboten. Allerdings sind diese Zahlen nicht an die Inflation oder steigende Preise für Kinotickets angepasst.

Der Rekord bleibt im selben Unternehmen, denn "Avengers" ist Teil des seit 2009 zu Walt Disney <US2546871060>gehörenden Marvel-Comic-Universums. Erst im März hatte Disney dann auch für 71,3 Milliarden Dollar große Teile von Fox gekauft, dessen Studio 20th Century Fox auch die Rechte an "Avatar" besaß. Disney gehören damit unter anderem die Rechte an den Marvel- und an den Star-Wars-Filmen, an den Animationsfilmen von Pixar und an Einzelhits wie "Titanic". Der Konzern besitze die Rechte an sieben der zehn kommerziell erfolgreichsten Filme der Geschichte, schreibt Variety.

Zukunft liegt auch im Streaming

Disney ist jedoch nicht nur Film, sondern künftig auch Streaming. Mit seinen Plänen um einen eigenen Videostreaming-Dienst in den USA greift der Unterhaltungs-Riese etablierte Streaming-Anbieter wie Netflix <US64110L1061>, Amazon <US0231351067> und Co an: Disney-Inhalte künftig nur noch auf "Disney+". So soll das neue Angebot heißen, das laut Konzernchef Robert Iger ab dem 11. Dezember in den USA und innerhalb von zwei Jahren auch in vielen anderen Teilen der Welt an den Start gehen soll. In früheren Plänen war zwar noch vom 12. November als Starttermin die Rede. Dem Zuspruch von Beobachtern tut das aber keinen Abbruch.

Das liegt vor allem an dem starken Inhalte-Angebot, mit dem der Konzern auftrumpfen kann. So wird es unter anderem neben den vielen Disney-Klassikern auch neue Spin-Off-Serien aus dem "Pixar"-, "Star Wars"- und dem "Marvel"-Universum geben. Dazu werden auch Inhalte des zu Disney gehörenden Doku-Senders National Geographic zu sehen sein. Insgesamt sollen allein im ersten Jahr mehr als 25 neue Original-Serien und mehr als 10 Original-Exklusiv-Filme zum Angebot von Disney+ gehören. Und nicht zuletzt werden auch die "Simpsons" dort ein neues Zuhause finden - dank der jüngst abgeschlossenen Milliarden-Übernahme großer Teile des Rivalen 21st Century Fox.

Disney unterbietet Netflix deutlich

Fans dieser Inhalte müssten also in jedem Fall wechseln, um weiterhin ihre Lieblings-Figuren verfolgen zu können. Bei einem Kampfpreis von 6,99 Dollar im Monat würde das finanziell wenig schmerzen: Das günstigste Netflix-Abo liegt preislich deutlich darüber - vor allem seit das Unternehmen zuletzt die Preise angezogen hat.

Disney selbst muss dagegen erst mal viel Geld in die Hand nehmen. Im Jahr 2020 soll zunächst etwas über eine Milliarde Dollar investiert werden, 2024 dürfte die Summe dann bei ungefähr zweieinhalb Milliarden liegen. Bis zu dem Zeitpunkt erhofft sich der Konzern eine Nutzerbasis zwischen 60 und 90 Millionen Kunden weltweit - und darüber hinaus erste Gewinne verbuchen zu können.

Was das aktuelle Geschäftsjahr angeht, so hatte Disney sein zweites Quartal zuletzt positiv abgeschlossen. In den drei Monaten bis Ende März stiegen die Erlöse, verglichen mit dem Vorjahreswert, um knapp drei Prozent auf rund 15 Milliarden Dollar. Dabei profitierte der Umsatz bereits von der Fox-Übernahme sowie vom weiterhin florierenden Geschäft mit den Themenparks und Resorts. Die Kabelsparte mit dem angeschlagenen Sportsender ESPN und die Filmstudios warfen dagegen deutlich weniger Geld ab.

12-Monats-Chart Walt Disney (in US-Dollar, NYSE)

Gute Quartalszahlen erwartet

Je nachdem, in welches Jahresviertel Disneys große Kinohits fallen, schwanken die Ergebnisse traditionell aber recht stark. Analysten erwarten daher für das dritte Geschäfts-Quartal wieder gute Zahlen dank des Erfolgs von "Avengers Endgame". Die Eröffnung der Star Wars-Themenparks in den Disney-Resorts dürften ebenfalls Schub gebracht haben. Disney veröffentlicht seine Zahlen am 3. August.

Die Fortschritte bei der Fox-Übernahme hatten den Disney-Aktien <US2546871060> bereits Ende vergangenen Jahres immer wieder neuen Schwung verliehen. Richtig nach oben ging es dann allerdings in diesem Frühjahr, nachdem sich die Pläne zu Disney+ langsam herumsprachen. Von da an verzeichnete die Aktie regelmäßig neue Rekorde, wobei der letzte Höchststand etwa Mitte Juli bei 145,43 Dollar lag. Seit Jahresbeginn stieg der Kurs somit um mehr als 34 Prozent.

An der Börse bringt es Disney mittlerweile auf einen Wert von rund 260 Milliarden Dollar (231,5 Mrd. Euro). Damit zählt der Konzern zu den Top 10 im US-Leitindex Dow Jones Industrial <US2605661048>. Zum Vergleich: Disney bringt es fast auf die Marktkapitalisierung der beiden wertvollsten Dax <DE0008469008>-Konzerne SAP <DE0007164600> und Linde <IE00BZ12WP82>, die in Summe auf rund 247 Milliarden Euro kommen. Dabei ist die Walldorfer Software-Schmiede SAP mit 148 Milliarden Euro der wertvollste deutsche Konzern.

Mit Material von dpa-AFX

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